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Jingwei und Yugong – die zwei chinesischen Pendants zu Sisyphos

Jingwei Tianhai, Yugong Yishan, die zwei Legenden sind wie die chinesischen Antworten auf den Sisyphos der Antike.

Im prähistorischen China gab es den Kaiser Yan, dessen Tochter Nüwa, ein niedliches Mädchen, ertrank bei einer Bootsfahrt im Meer. Nach dem Tod verwandelte sie sich in einen Vogel. Dieser hat ein rotes Köpfchen und einen weißen Schnabel, ähnelt einer Krähe; wenn er singt, so klingt es so, als riefe er „Jing Wei, Jing Wei…“, so wird er als Jing Wei genannt.

Jingwei, in dem die Seele des Mädchens steckt, hasste das Meer, das ihr das Leben nahm. Er schwor sich, das schlingende Meer zu eliminieren. Mit dem Schnabel holte er unermüdlich Äste und Zweige und warf sie in das bauschende Wasser, in der Hoffnung, dass die Menge der Äste eines Tages das Meer ausfülle und es zum Boden ebnete.

In der Unerfüllbarkeit von Jingweis Aktion sehen wir Chinesen einen starken Willen, eine unbeugsame Seele, die Kampfansage eines schwachen Wesens gegenüber einer Übermacht. Ein Idealismus, den Tao Yuanming, ein berühmter Literat im 4. Jahrhundert, lobpreiste, der bei den Nachfahren Mitgefühle auslöste.

Dazu haben wir noch einen Yugong, wörtlich übersetzt ist es ein Dummer Alter Mann. Fast 90 Jahre alt wird er, wohnt in der Nähe eines hohen Berges. Der Berg verstellt die Wege zur Außenwelt, isoliert das Dorf. So kam er auf die Idee, den Berg abzubauen und zu entfernen. Als Oberhaupt fand seine Idee bei der Familie die Zustimmung; auch ein Nachbarjunge kam zur Hilfe. Die Jahre zogen sich hin.

Der Weise aus Hequ versuchte, ihn umzustimmen: „Mit Ihrer Kraft und hohem Alter können Sie dem Berg nichts antun, was soll das Ganze?“ Yugong, der Dumme, antwortete darauf: „Ihre Sturheit scheint mir unmöglich zu durchdringen, sogar die Frauen und Kinder sind da besser. Auch wenn ich sterbe, so machen es meine Kinder weiter, nach ihnen kommen die Enkelkinder… und so weiter und so fort, meine Nachfahren wachsen unendlich heran, aber der Berg vermehrt sich nicht. Also wo ist denn das Problem?“ Der Weise verstummte.

Der Himmelskaiser ließ schließlich zwei Giganten die Berge entfernen, diese wurden woanders hingestellt, seitdem ist der Verkehr um die Gegend frei geworden.

Im Gegensatz zu Sisyphos und Jing Wei kann Yugong, der Dumme, auf seine Familie und deren Fortbestehung zählen, so erweist er sich schließlich als Sieger. Ob dies die chinesische Ideologie des Familienzusammenhalts stützt? Viel später schlussfolgerte jemand daraus: „Ren Duo Li Liang Da“, „Mehr Menschen, größere Kraft“, na bitte! Deshalb laufen heute so viele Chinesen auf der Erde herum.

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