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Die Legende Chang´E – was sich die Chinesen am Mondfest erzählen

Am 30. September feiert man in China das Mitteherbstfest, das vom Volksmund auch das Mondfest genannt wird. Wie immer gibt es zwei wichtige Komponente für traditionelle chinesische Feste: einerseits gibt es etwas Spezielles zu essen – in diesem Fall die Mondkuchen, deren Rundheit die Vollkommenheit bedeutet; andererseits gibt es eine schöne Legende.

Es begab sich eines Tages, dass zehn Sonnen gleichzeitig im Himmel schienen. Überall auf der Erde herrschte eine katastrophale Dürre, der Ackerboden brannte und rauchte, das Meer schrumpfte. Nichts wuchs mehr, den Menschen drohte die Hungersnot. Da flehten diese die zehn Sonnen an, sich nicht mehr zusammen zu zeigen, pro Tage brauche doch nur eine zu scheinen.
Und diese ruchlosen Sonnen, die Tyrannen, lachten sich kaputt und  zogen weiter ihre täglichen Kreise von Osten gen Westen, würdigten die armen Menschen keines Blickes.
Da begab sich der der Held HouYi, der beste Bogenschütze seiner Zeit, empört über der Bösartigkeit der Sonnen und besorgt um das Leben seiner Mitmenschen auf den Gipfel des Kunlun-Bergs und schoss neun der zehn Sonnen mit seinen Pfeilen vom Himmel.
Seine Heldentat wurde überall gefeiert, er wurde gar zum König gewählt. Aus allen Himmelsrichtungen strömten junge Männer herbei, um seine Bogenschießkunst zu erlernen. Und er heiratete die schöne Chang`E, zusammen führten sie ein glückliches Leben.
Eines Tages bekam HouYi von der Himmelskaiserin den Trank des ewigen Lebens geschenkt; es hieß, man könne nach dem Einnehmen sofort zum Himmel hoch fliegen und dort für immer weilen. Doch HouYi wollte nicht Chang`E allein zurücklassen, al so versteckte er den Trank an einem geheimen Ort.
Einige Zeit später ging HouYi mit den Schülern zur Jagd. Chang`E, die sein Versteck fand und nicht von ihrer Neugier lassen konnte, nahm den Trank ein. Er wirkte sofort.
Sie fühlte sich federleicht, glitt über die Berge, die Seen, die Felder und die Dörfer hinweg, die Luft trug sie immer höher. Verzweifelt hielt sie Ausschau nach HouYi. Nein, dachte sie, ich möchte nicht so weit weg sein. Als sie sich dem Mond näherte, entschied sie sich, sich dort niederzulassen, damit sie den geliebten Mann wenigstens aus der Ferne sehen könnte.
Sehen Sie die schwarzen Umrisse im Mond? Die Chinesen glauben, diese seien die Paläste, in denen Chang`E lebt; im Hof gibt es einen Osmanthusbaum, den versucht Wugang mit seiner Axt zu fällen, doch jedes Mal wenn er die Axt zurückzieht, wächst der Baum wieder zusammen. So bleibt auch er dort ewig hängen wie der Sisiphus. Außerdem gibt es dort einen jadeweißen Hasen, der der einsamen Chang`E Gesellschaft leistet.
Eine junge Frau von makelloser Schönheit, immerwährend in der Unvergänglichkeit des Zeitflusses gestrandet, – da lassen die Literaten ihrer Phantasie freien Lauf und widmen Chang`E die schönsten Gedichte.
Die Bekanntesten sind unter anderem von Li Shangyin:
Chang`E müsse voller Reue sein, da sie den göttliche Trank stahl,
das Meer aquamarin, der Himmel cyan, ihr Herz einsam, Nacht für Nacht.
Oder das Lied von Su Shi (Su Dongpo), das sich sowohl auf das Mondfest als auch auf Chang`E bezieht, der Schlussvers lautet:
Möge uns ein langes Leben beschieden sein, 1000 Meilen entfernt, beisammen mit dieser Schönheit.
Mit Schönheit ist der Mond und zugleich Chang`E gemeint.
Fay Wang, die aktuell berühmteste Pop-Sängerin Chinas, hat das Gedicht komponieren lassen, voller Nostalgie singt sie sich in die chinesischen Herzen.

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