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Die Romanze von Mao Pijiang und Dong Xiaowan, sowie die Geschichte der acht Schönheiten am Qinhuai-Fluss

Der berühmte Vorfahr von Frau Mao hieß Mao Pijiang, lebte von 1611-1693. In seiner Jugend erlebte er den Ming-Qing-Dynastiewechsel, eine Zeit der Unruhen also. Mao Pijiang war vor allem ein talentierter Literat, ein Dichter, jedoch bekommt sein Name für die normalen Chinesen erst im Zusammenhang mit den schönen Frauen wie Dong Xiaowan, Chen Yuanyuan, eine Bedeutung.

Durch die Stadt Nanjing fließt der QinHuai Fluss, an dem sich seit eh und je viele schöne Frauen niedergelassen hatten, um ihren Dienst zu verkaufen. Das Angebot unterschied sich: die einen verkauften sofort die Liebe, die anderen beschränkten sich auf ihre künstlerischen Darbietungen wie Musizieren, Tanzen, Eskortieren etc. Es gab die sogenannten Acht Schönen am QinHuai: Chen Yuanyuan, Li Xiangjun, Liu Rushi, Dong xiaowan usw. Sie zeichneten sich jeweils mit einer Eigenart aus: ob Schönheit, weibliches Einfühlsvermögen, Künstlerische Begabung; deren Freier oder Geliebte waren alle junge, talentierte Männer aus guten Familien. In der Zeit, in der den meisten Chinesinnen die Tür zur Bildung verschlossen war, waren diese Frauen selbstverständlich die besten Spielpartnerinnen für ihre Kunden. Tragisch ist, dass sie sich nicht die Zeitperiode aussuchten konnten, in der sie lebten. Da fielen die Mandschu aus Nordosten in die Ming-Dynastie ein, was für die Han-Chinesen einer Invasion glich. Das ganze Land zitterte unter den Hufeisen des barbarischen Steppenvolkes aus dem Norden, nichts blieb davon verschont, auch wurde die schöne Scheinwelt am QinHuai zerrüttet, und somit viele traurige, romantische Geschichten bis heute überliefert.

Mao Pijiang wurde in eine sehr angesehene, akademische Familie in Rugao, der Provinz Jiangsu, geboren. Er selbst machte sich sehr früh durch seine literarische Begabung einen Namen, sah dazu gut aus, war also durch und durch ein ambitionierter, leichtsinniger Sprössling der reichen Familie. Mit gleichgesinnten, jungen Männern verkehrte er, gemeinsam besuchten sie ihre Geliebten am QinHuai, führten ein sorgloses Leben im Überfluss. In dieser Zeit lernte er Chen YuanYuan und Dong Xiaowan kennen.

Zuerst verliebte er sich in Chen Yuanyuan, die Schönste unter allen. Im Jahr 1642 reiste er zu ihr, um sie zu sich zu holen, leider war er zu spät. Ein mächtiger alter Mann, dessen Tochter eine Nebengattin des Kaisers war, hatte Chen YuanYuan bereits gekauft und nach Beijing geholt. Von da an war Chen YuanYuans Schicksal umwoben von Legenden, Geschichten und vielen Männern, aber ihre Liebesaffäre mit Mao Pijiang nahm ein abruptes Ende. Schwerstens enttäuscht suchte Mao Pijiang den Trost bei Dong Xiaowan, der zweiten Wahl, jedoch nur zögernd, zweimal ließ er sie im Stich. Nur mit ihrer hartnäckigen Liebe schaffte Xiaowan, Mao Pijiangs Nebenfrau zu werden.

Dong Xiaowan war nicht nur schön, sondern auch sehr sanftmütig, feminin, eine geborene Nebenfrau schien sie zu sein. Sie war auch bekannt für ihre Talente, sie musizierte, konnte Schach spielen, in der Kalligrafie und Malerei stand sie ihrem Mann nicht nach. Sie verstand es, das Eheleben mit ihrem künstlerischen Geschmack einzurichten, es stets mit der Romantik einer Lebensgenießerin zu gestalten; und vor allem liebte sie Mao Pijiang mit ganzen Herzen. Dazu war sie eine gute Köchin. Mao Pijiang sagte später selbst, sein ganzes Lebensglück sei in den neun gemeinsamen Jahren mit Dong Xiaowan aufgebraucht worden. Beide hinterlassen Schriftstücke, in denen ihr wunderbares Liebesleben dokumentiert ist.

Doch wurden sie sehr bald von der Grausamkeit der Ereignisse eingeholt. Der Thron des Kaisers wackelte, überall gab es Bauernaufstände geführt von der Truppe von Li Zicheng, und die Mandschus ließen nicht locker, die folgende Qing-Dynastie kündigen sich an. Das kriegerische Chaos brachte viele Leute um ihr Leben; während die Familie Mao zwar intakt war, jedoch alles Vermögen auf der Flucht verlor. Aus der Loyalität zu der gestürzten Ming-Dynastie und dem Hass auf die Mandschu-Regierung, lehnten es die Männer der Mao-Familie ab, für den neuen Kaiser ein Amt zu bekleiden, so verarmte die Familie rasch. Mao Pijiang war den Wohlstand gewohnt, verkraftete diese Notlage kaum und erkrankte schwer. Sorgfältigst kümmerte sich Xiaowan um ihn, wich nicht von seinem Bett. Dank ihrer Pflege entkam Mao Pijiang schließlich dem Tod, doch Dong Xiaowan verausgabte sich bei ihrer Pflege so sehr, dass sie selbst erkrankte. Sie starb im Jahr 1651 im Alter von nur 27 Jahren.

Heute neigen wir dazu, deren Romanze zu beschönigen, das Traumpaar zu beschwören; auch in ihren eigenen Schriftstücken schmückten sie sich gern mit der gegenseitigen Liebe. Eigentlich ist es klar, dass Mao Pijiang seine Nebenfrau Dong Xiaowan nicht so sehr liebte wie er es behauptete, er liebte nur sich selbst. Nach dem Tod von Xiaowan konnte Mao Pijiang die Armut nicht mehr ertragen, er bewarb sich um ein unbedeutendes Amt bei der Qing-Dynastie; als er es bekam, jubelte die ganze Familie. Dies war eine schallende Ohrfeige für sie selbst und auch die treusten Ming-Anhänger, - deren Anzahl angesichts der Armut und Vergessenheit bereits stark geschrumpft war, die jedoch unter diesem Moralverrat lebenslang leiden mussten.

Blicken wir über den langen Fluss der Zeit zurück, so möchte sich jeder von uns lieber an einem schönen Regenbogen erfreuen, nicht wahr?

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