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Besuch bei den Eltern ist Gesetz

Die Eltern regelmäßig zu besuchen ist in China eine gesetzliche Verordnung geworden, das Instrument der Kinderpietät erneut im Einsatz

Seit dem 1. Juli ist das aktualisierte "Gesetz zum Rechtsschutz der Älteren" in China in Kraft getreten. Das neue Gesetz schreibt den Familienangehörigen vor, sich um die emotionalen Bedürfnisse der Älteren zu kümmern, sie nicht verwahrlosen zu lassen; die Familienangehörigen, die nicht mit den Eltern zusammen wohnen, sollen die Eltern regelmäßig besuchen.

Gleich am Vormittag wurde ein Elternunterhaltsfall in der Stadt Wuxi gerichtlich verhandelt. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zur Entschädigungszahlung an die Mutter, sowie regelmäßigen Besuch bei der Mutter mindestens in zweimonatlichen Abständen. – Also das erste Gerichtsurteil nach der neuen Gesetzgebung.

Öfter mal bei den Eltern vorbeischauen: eine Tageträumerei für die Wanderarbeiter, die Neulinge in den Metropolen, die dort wie Ameisen oder Ratten im Dunkeln hausen und schuften müssen; auch für die strebsame Weißkragenschicht ist es ein Luxus. Nicht nur die lange Heimreise macht den jungen Familienangehörigen zu schaffen, nicht nur die schwer zu ergatternden Fahrkarten, nein, sondern auch der Job, das Gehalt: ohne den können die Söhne und Töchter eben nicht auskommen.

In Qingdao hat man eine Umfrage unter den zugezogenen Einwohnern durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass: 23% der Befragten monatlich die Eltern treffen, 14% die Älteren alle drei Monate zu Gesicht bekommen, 27% ihre Senioren halbjährlich und 32% gar nur jährlich sehen. Vier Befragte gaben brav an, schon Jahre nicht mehr vorbeigeschaut zu haben.

Eine solche Gesetzgebung ähnelt letztendlich eher einer moralischen Mahnung, einem vorwurfsvollen Zeigefinger. Fraglich, wie die junge Einzel-Kind-Generation Chinas dies in die Tat umsetzt.

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